Wochenschau KW 25

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Mein letzter Post ist ziiiiiiiiiiiiiiemlich lange her. Inzwischen ist einiges passiert, Schaffenskrise inklusive. Was aber nicht bedeutet, dass ich nicht gekocht habe. Das hab ich sehr wohl!

Lange wusste ich nur nicht, wie ich mit den ganzen guten Rezepten umgehen sollte. Für das bisherige Post-Format mit den aufwändigen Photos hab ich momentan nämlich weder Zeit noch Lust. Ich koche doch nicht für Pinterest, sondern für meinen Magen!
Aber ganz aufhören? Nein, das ist auch keine Option.
Deshalb habe ich beschlossen, alles PURA VIDA sein zu lassen und mir einfach mal keine Sorgen zu machen. Von wegen, ohne schöne Photos und haargenaue Rezepte kann ich‘s doch gleich bleiben lassen.

Ich garantiere weiterhin dafür, hier nur Dinge zu präsentieren, von denen ich hundertprozentig (nicht) überzeugt bin – vielleicht habt ihr ja schon das ein oder andere Rezept ausprobiert und vertraut mir, auch ohne Bilderbuch-Bilder ;)

Dieses „Spontan-ich schreib alles, was mir einfällt-Format“ ist für mich zurzeit einfach viel näher dran an meiner kulinarischen Wirklichkeit. Ich hoffe, es gefällt euch trotzdem!

Und los geht’s:

Montag

Abends

Vom Vatertag übrig gebliebene Vorspeisen-Brandteigkrapferl mit Räucherlachs-Fülle (improvisiert aus Frischkäse, Räucherlachswürferln, Zitrone, Dill, Obers und einem Blatt Gelatine) – fein zum TV-Krimi.

Als Nachspeise dann noch Ja! Natürlich Schoko-Eis.. Leidln, da habt ihr euch echt nicht mit Ruhm bekleckert, „Schweizer Edelschokolade“ hin oder her..
Und jaaaa, normalerweise mach ich mein Eis selber (Ausnahme: Tichy!!) und neeeein, ich find‘s gar nicht leiwand auf Kübel-Eis angewiesen zu sein – das kann dreimal BIO sein – aber in derzeitiger Ermangelung einer Eismaschine hilft das halt alles nix.. Dem Mohn werde ich allerdings noch eine Chance geben, denk ich, weil Mohn, ja, das geht immer ;)

Dienstag

Mittag

Dosen-Bohnensalat aus Weißen Riesen und Borlottis – herzig nebeneinander, die großen Dicken und die kleinen Braunen.. Schüssel kurz zum Gebäck in den Ofen, dann die Bohnen mit der Gabel kurz anquetschen, Petersil, (kein Zwiebel aufgrund nachmittäglicher Verabredung – sonst keine Frage), Olivenöl, Balsamico, Salz, Pfeffer – kurz durchziehen lassen.

Und dann I.‘s glänzende Idee: Da ist doch noch der Käse vom Samstags-Shopping-Trip am Yppenmarkt! Rohmilch, supergut – wird aber auch superschnell superscharf..  Wie bekommt man also möglichst viel Käse auf einmal weg? Genau, man ändert den Aggregatzustand!
Also rein damit ins Soufflé-Förmchen, Fensterbankl-Thymian und Südtiroler Honig drauf und auch noch kurz ins Rohr – bis es blubbert.
Dann nur mehr ein Stück knuspriges Weißbrot eintunken – und schon sind wir wieder in diesem Pariser Bistrot mit den Lichterketten und den romantischen Heizschwammerl..

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Nachmittag

Powidl-Golatsche (btw, meine liebe deutschen Kunden, die ihr zu mir in die Bäckerei kommt, es heißt GGGGGoltasche, nix da KKKKKolatsche) – als Testlauf für das Plunderteig-Rezept aus dem Sacher-Kochbuch – denn Merksatz: PROBIERE KEINE NEUEN REZEPTE, WENN JEMAND ANDERS ALS DEINE DICH BEDINGUNGSLOS LIEBENDE FAMILIE DAVON ESSEN SOLL (siehe Sonntag).
Großteil vom Plunderteig auf Backpapier blechgroß ausgerollt, mit einem zweiten Bogen Papier abgedeckt, eingerollt, fest in Frischhalte-Folie gewickelt und eingefroren.
Aus den Abschnitten mehr oder minder verwordagelte Golatschen gebastelt. Dazu ein Glas Ja! Natürlich Frische Bio-Heumilch.

Hisilicon K3

Abends

Räucherwels mit Apfel-keine Ahnung was (vielleicht Salat?) und Heurigen.. Heurigen gegenüber war ich bisher immer skeptisch, wurde aber diesmal positiv überrascht. Weniger positiv präsentierte sich allerdings der Räucherwels, von dem ich mir doch einiges versprochen hatte. I. meinte, der hätte wohl mehr Zeit in der Räucherkammer als im Wasser verbracht.
Den Apfel-Salat (Salat ist eigentlich auch kein passender Name) würde ich allerdings jederzeit wieder machen: Zwei Äpfel samt Schale grob bis ans Kerngehäuse raspeln, Zitronensaft drüberpressen,  Äpfel in einem Sieb gut abtropfen lassen (Saft auffangen und sich ein Obi gspritzt machen), mit einem Becher Sauerrahm, Oberskren, Estragonsenf, Dill und Schnittlauch verrühren und mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker abschmecken.

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Mittwoch

Früh

Ja! Natürlich Creme-Joghurt.. Ich muss sagen, ich fühl mich ein bisschen, sagen wir mal hinters Licht geführt..  Wenn wo Joghurt draufsteht, erwarte ich auch, dass Joghurt drin ist, und nicht auch noch Buttermilch und Sauerrahm.. Naja, das nächste Mal halt das Kleingedruckte lesen.. Gut war’s aber.

Hisilicon K3

Mittag

Gurken-Mandala: von hantig-bitter über saftig-süß bis grasgrün war da alles dabei. Erstaunlich.

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Abend

Edäpfelschmarrn mit der Bratlfettn vom Sonntag aus den gekochten Heurigen von gestern.
Letscho aus vier roten und vier hellgrüngelben Spitzpaprika. Zwei Zwiebel in Sonnenblumenöl schön weich schwitzen, ein Patzl Paradeismark dazu, zerstoßenen Kümmel, getrockneten Oregano und Paprikapulver (scharf oder nicht nach Geschmack) kurz mitschwitzen, mit einem Schuss Essig ablöschen, soviel Passata dazu, dass die Paprika nicht ganz bedeckt sind und dann nur mehr eine gute halbe Stunde zugedeckt köcheln lassen.
Unbedingt die Oregano-Deko zerzupfen und über dem Letscho verteilen!

Hisilicon K3

Donnerstag

Mittag

Griechischer Salat aus einer Feldgurke, den restlichen Spitzpaprika, Paradeisern, Oliven, rotem Zwiebel, Feta und – am allerwichtigsten – ordentlich Oregano aus griechischem Wildwuchs, die Blüten einzeln von Mama handgepflückt.

Hisilicon K3

Ein griechischer Salat schaut für mich genauso aus. Keine grünen Salatbletschn mit ein paar verhungerten Stücken Feta und drei pro forma-Oliven.

Abend

BIO ist teuer. Oder zumindest teurer. Wieviel teurer, das hab ich letztens aus Interesse mal getestet. In einer „selbst designten Feldstudie“ habe ich 76 Lebensmittel aus allen Produktgruppen mit ihren Gegenstücken aus konventioneller Produktion verglichen. Das Ergebnis: Ja! Natürlich war im Vergleich zu anderen Produkten bei Merkur 1,45-mal teurer. Bei Hofer war der Unterschied noch eklatanter: Für Zurück zum Ursprung und Natur aktiv zahlt man sogar 1,82-mal mehr (Wobei die Stichprobe hier kleiner war, da viele der Produkte gar nicht in Bio-Qualität erhältlich sind/waren und zu beachten ist, dass die konventionellen Produkte ja zu Discount-Preisen angeboten werden. Es ist also alles relativ.).

Ich bin allerdings der Meinung, dass man eigentlich gar nicht von teuer sprechen sollte. Ja, der Preis ist hoch, dafür aber reell. 3,99 € (bei Hofer und Merkur) für 1 Kilo Hendl im Ganzen – das kann ja wohl nur ein Scherz sein. Da ist ja die Verpackung mehr wert. Das arme Huhn.

Trotzdem, für einen studierenden und nur geringfügig erwerbstätigen Menschen macht das doch einen Unterschied. Ich hab mir angewöhnt, nicht mehr auf den Preis zu schauen – und nein, das ist jetzt nicht so snobby gemeint, wie es klingt – das Einkaufen macht so einfach mehr Spaß. Der Griff zu BIO als Automatismus, dann jault die Geldbörse nicht so laut.

Positiv an der ganzen Sache ist aber, dass bei uns seit Einführung dieser Konsequenz nichts mehr schlecht wird und weggeworfen werden muss (Mit Ausnahme des Ja! Natürlich Gockelhahns – von diesem Desaster werde ich später einmal gesondert berichten, sobald ich mich von dieser kulinarisch-emotionalen Bruchlandung erholt habe.)

Da BIO Fleisch in Anbetracht der studentischen finanziellen Lage also eher ein Luxus-Gut ist (was es ja auch sein sollte!), schlendern I. und ich gern an der Fleischtheke vorbei, immer Ausschau haltend nach bald ablaufender, verbilligter Ware.
Das hat zwar den Nachteil, dass man wochenmenü-planungstechnisch nicht wirklich vorausdenken kann, andererseits lässt man sich so eher auf Käufe ein, die man sonst vielleicht nicht getätigt hätte. So kamen wir in den letzten drei Wochen in den Genuss von Kalbsbeuschel, eines Milchziegenkitz-Schlögels (wartet noch auf einen besonderen Anlass im Tiefkühler) und heute eben in den eines Wiesenhendls.

Das Tier wollte nicht mehr viel, nur einen Zweig Rosmarin, einen bisschen Butter und ein paar Heurige zur Gesellschaft (ja, schon wieder Heurige, aber die müssen weg, die halten nicht lang).

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Immer wenn ich so ein ganzes Hendl vor mir habe, wird mir erst wieder richtig bewusst, dass Fleisch = Tier. Wenn ich mir die Leute im Supermarkt vor der sterilen Endlos-Fleischtheke mit den abgepackten, vorgeschnittenen Billig-Schnitzeln anschaue, bezweifle ich oft, dass es denen auch so geht… Nun ja.
Damit Tier (der Verzicht auf einen Artikel drückt für mich auf eine etwas beklemmende Art und Weise die Anonymität in der Nahrungsmittelindustrie aus) komplett genutzt wird, kamen die Überreste dann noch mit Zwiebeln, Petersil, frischem Lorbeer, Nelken, Piment, ein paar Pfefferkörnern und Wasser in einen Topf und kochten sich im Alleingang in zwei Stunden zu einem Fond für schlechte (kochzeit-technisch begrenzte) Zeiten. Danke, dieser Stelle für die Idee!

[Memo an mich: noch VOR Start der Marmelade-Einkochsaison einen Trichter besorgen – du willst doch nicht noch länger eine abgeschnittene Mineralwasserflasche zum Abfüllen verwenden.]

Freitag

Abend

Nach den hungrigen Sauriern aus Jurassic World großer Appetit. „Tofu mit Spezialgewürz aus Hongkong“ klingt verheißungsvoll – stellt sich dann als Tofu in Schwarzer Bohnenpaste heraus. Gut.

Aber wenn ich einen Blick auf den Nachbartisch, wo sich die gesamte Küchenmannschaft zum gemeinsamen Abendessen versammelt hat, würde ich viel lieber deren Essen haben. Die Suppe mit Fleischknochen (säuberlich abgenagt – gar nicht unappetitlich!), Pakchoi (?? – aus der Ferne schwer zu identifizieren) und Sternanis dürfte wohl eher unter „authentische Chinesische Küche“ fallen. Schade, dass die nicht auf der Karte steht. Woran das wohl liegt…

Samstag

Vormittag

Mohntascherl aus Topfenteig von Kasses Stand am Yppenmarkt… Da muss sogar I., der meint, Mohn sei konsequent immer trocken, seine Aussage revidieren.

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Abend

Einladung zum Essen. Couscous mit Gemüse. Nicht irgendein Couscous: mit Datteln, Cashews und – jetzt kommt’s – Tee aus frischer Minze. Ge-ni-al-e Idee.

Sonntag

(Kaffee)Jause

Hisilicon K3

Marillen-Plunder-Blechkuchen mit Plunderteig aus dem Sacher-Kochbuch:

Vorteig aus 500 glattem Mehl, 50 g Staubzucker, 50 g flüssiger Butter, 50 g Germ, 250 ml Milch, 3 Eidottern, 5 g Salz und 1 EL Vanillezucker.
Butterziegel aus 400 g Butter und 50 g glattem Mehl.

Die Zubereitung folgt im Wesentlichem diesem Rezept, mit ein paar kleinen Unterschieden: Vorteig kneten – diesen nur rasten lassen, bis der Butterziegel fertig ist – dann gleich die Butter in den Teig einschlagen, ausdünnen und eine einfache Tour machen – 15 min rasten lassen – doppelte Tour – fertig.

(Falls man den Teig vorbereitet und einfriert, über Nacht im Kühlschrank auftauen lassen.)

Ofen rechtzeitig auf 210 °C Ober- und Unterhitze vorheizen – Teig auf Backpapier ca. 7 mm dick ausrollen – jetzt schon in Stücke schneiden – an einem kühlen Ort ein bisschen aufgehen lassen – mit 7 großen/12 kleinen Marillen, in kleine Stückchen geschnitten, belegen und das Obst sanft in den Teig drücken – ca. 15 min goldbraun backen – in der Zwischenzweit ½ EL groben Kristallzucker mit ½ EL Vanillezucker und ein paar Tropfen Rum vermischen – über den heißen Kuchen streuen.

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