Hollerblüten-Sirup

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Erfrischender Frühling aus der Flasche

„A so a Saftladen…“


Shortcut

für 2 l – Aufspritzen 1:6
1 l warmes Wasser + 2 kg Zû + 20 Blüten + 2 Zitronen → 5 Tage
+ Citronensäure
→ aufkochen + evtl Einsiedehilfe


A so a Saftladen… …Das sagt Omama zu einem Geschäft, das alles und trotzdem nichts verkauft. Ein Geschäft, in dem es alles zu geben scheint, aber ausgerechnet nicht das, wonach man sucht.
Fest steht jedenfalls, dass man Hollersirup nirgends so gut kaufen kann, wie er selbstgemacht schmeckt.
Und selbst der ärgste Saftladen hat Zucker und Zitronen – und mehr braucht man für die Zubereitung eigentlich nicht.

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Am besten, man sucht sich zwei, drei Sträucher, möglichst große, an einem möglichst abgelegen Ort – und sagt niemandem was davon :) .
Sonst geht es Ihnen wie einem Bekannten: ein sehr fleißiger Mann, der viel Geld in eine Holler-Plantage investiert hat… die dann von ebenfalls sehr fleißigen Wühlmäusen heimgesucht wurde.
Also: Strauch suchen und nur vertrauenswürdigen Personen davon erzählen!

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Bei der Ernte sollte man aber auch nicht allzu gierig sein – sonst bleiben einem für die Holler-Marmelade im Herbst nicht genug Früchte übrig :) .
Das erinnert mich an eine sehr amüsante Begegnung: I. und ich grasten die Ufer eines Baches nach Hollerbüschen ab und trafen dabei auf einen netten, älteren Herren mit Hund, der ganz verwundert war: „Dass die jungen Leute heutzutage auch noch was Sinnvolles machen.“
Der Sommer zog dahin, es wurde Herbst und I. und ich gingen wieder auf die Pirsch, diesmal eben nach den glänzend schwarzen, herrlich süßen Früchten des Hollers. Und siehe da, wen trafen wir? Eben jenen älteren Herren mit Hund. Nur dass der diesmal noch verwunderter war: „Dass zwei junge Leute heutzutage noch sooooo lange zusammen sind.“ (Wohlgemerkt vier Monate später.) Als er dann noch fragte, ob wir denn verlobt seien, anders könne er sich das nun wirklich nicht erklären, wurde I. ganz bleich und war sich plötzlich sehr sicher, dass wir schon mehr als genug Früchte gesammelt hätten und wir nun besser aufbrechen sollten (bevor der ältere Herr mich noch auf dumme Ideen brachte…).

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Zutaten (für 2 Liter Sirup – beim empfohlenen Verdünnungsverhältnis von 1:6 sind das also 57 Viertel-Liter-Gläser Saft)

1 Liter warmes Wasser (damit sich der Zucker besser löst)
2 kg Kristallzucker
20 Blüten-Rispen (Und zwar die dicken, fetten – alles, was kleiner als handtellergroß ist, lässt man lieber am Strauch. Man kann natürlich auch mehr verwenden, je nach Ergiebigkeit der Fundstelle.)
2 Zitronen
Citronensäure (ja, ich weiß, chemisches Zeugs… Aber nur mit Zitronensaft allein, wird’s nicht erfrischend genug)
Einsiedehilfe (Die Mutigen lassen sie weg. Mir persönlich aber reicht die Erfahrung, zwanzig schimmelgefüllte Flaschen im Keller vorzufinden, für den Rest meines Lebens.)

Zubereitung

1. Blüten NICHT waschen. Der Geschmack soll ja in den Sirup, und nicht in den Abfluss.
(Deshalb darauf achten, dass der Strauch nicht direkt neben der Straße wächst.)

2. Zitronen auspressen. Die Schalen aufheben.

3. Zucker, Wasser, Blüten, Zitronensaft und –schalen mischen – am besten in einem großen Plastikkübel.

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4. Fünf Tage warten (Manchmal auch kürzer – nach drei Tagen kann man die Intensität schon mal testen.)
Mindestens dreimal täglich umrühren.
Dabei darauf achten, dass man den Zucker, der sich am Kübelboden ansammelt, auch erwischt.
Die Blüten sollten außerdem immer von Flüssigkeit bedeckt sein.
Den Kübel nicht abdecken (nicht mit Folie, nicht mit Papier – einfach gar nicht).
All das ist sehr wichtig, sonst rückt der Schimmel an.

5. Die Blüten mit den Händen gut ausquetschen und die Zitronenschalen entfernen, danach den Sirup abseihen. Wenn noch einzelne Blüten im Saft schwimmen, ist das nicht schlimm – schaut in Flasche und Glas sogar recht hübsch.

6. Mit Citronensäure abschmecken. Am besten geht das, wenn man ein bisschen Sirup auf den später gewünschten Grad (Verhältnis etwa 1:6) verdünnt – da kann man das besser beurteilen.

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7. Sirup aufkochen. Dabei muss man nicht ständig rühren, sondern nur den aufsteigenden Schaum abschöpfen.
(Achtung: Wenn der Sirup einmal kocht, geht er sehr schnell über. Und heißer Zucker und Ceranfelder vertragen sich ja bekanntermaßen nicht so gut.)

8. Wer auf Nummer sicher gehen will, fügt nun die Einsiedehilfe hinzu.

9. In Flaschen abfüllen.

IMG_20140515_203205Anmerkung: Die Strapazen des Pflückens und des Zuckerpackerl Schleppens wollen natürlich belohnt werden. Und zwar nicht erst Tage später, wenn der Saft fertig ist, sondern gleich!
Deswegen zweigen wir immer einige Blüten ab, und gönnen uns ein paar Holler-Strauben:
Ein Backteig (ein dicker Palatschinkenteig, das Eiweiß aufgeschlagen, mit einem Schuss Rum), in den man die Blüten eintaucht (ein Stück Stängel dranlassen), ein bisschen Butter zum Ausbacken, ein bisschen Staubzucker zum Süßen, vielleicht noch ein Klecks Hollerröster und einen Schluck Milch – da vergeht die Wartezeit auf das erste Glas Hollersaft gleich viel schneller.

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